Historisches


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Gumpoldskirchen


Wer hat eigentlich zum ersten Mal den Zauber dieser Landschaft entdeckt? Nach allerjüngsten Funden waren es Steinzeitmenschen, die sich vor etwa 6500 Jahren hier niedergelassen haben.
Knapp unterhalb der Kirche, am Südrand des heutigen Ortes, muss ihre kleine Siedlung gelegen haben.
Funde aus der römischen Zeit, ein paar Münzen und eine Bestattung, bestätigen die Vermutungen einiger Archäologen, dass an Gumpoldskirchen eine befestigte Römerstraße vorbeigeführt hat.

Wann ist nun das jetzige Gumpoldskirchen gegründet worden? Die erste, recht dürftige Nachricht über den Ort stammt aus der Zeit um 1140.
Sie verrät uns lediglich, dass Gumpoldskirchen damals bereits ein weithin geschätzter Weinort war.
Demnach ist seine Gründung anzusetzen. Etwa in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts.
Die ersten Siedler wurden ganz gewiss von einem babenbergischen Markgrafen hierher gerufen, denn das Land am Anninger war seit der königlichen Schenkung vom Jahre 1002 im Besitz des Landesherrn.

Was die Babenberger zur Gründung bewogen hat, lässt sich nur vermuten.
Da Gumpoldskirchen als wehrhafte Hausberganlage ausgebaut wurde, scheinen die Bedürfnisse des Grenzschutzes ausschlaggebend gewesen zu sein.
Ähnlich wie bei den Nachbarorten Mödling und Perchtoldsdorf.

Ob die ersten Siedler Weinkulturen vorfanden, oder ob sie selbst mit gutem Gespür für den richtigen Platz die Rebe hier heimisch gemacht haben,
darüber kann keine präzise Auskunft gegeben werden.

Die Babenberger hatten großen Einfluss auf das Ortsbild, der bis in die Gegenwart spürbar ist.
Auch die Pfarre Gumpoldskirchen verdankt ihre Existenz einer Entscheidung der Babenbergerzeit.
Die kleine Kirche der Hausberganlage war zunächst der Urpfarre Traiskirchen unterstellt.
Erst gegen 1200 dürfte sie zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben worden sein.
Im Jahre 1241 schenkte dann Herzog Friedrich II., der Streitbare, diese Kirche, deren Mauern übrigens im Kapellentrakt des Schlosses erhalten geblieben sind, dem Deutschen Orden -
und dieser ist auch heute noch für die seelsorgliche Betreuung Gumpoldskirchens verantwortlich.

Nach 1550 erlebte Gumpoldskirchen, als es sich von den verheerenden Folgen des Türkenkrieges 1529 erholt hatte, geradezu ein Wirtschaftswunder.
Die Bürger des Marktes kamen zu viel Geld und so konnten sie daran denken, schöne, neue Häuser zu bauen.
Sie ließen sich durch den Marktrichter Mang Kharner und den Baumeister Anton Preiner für die Ideen der Renaissance begeistern,
und so entstand bald ein prachtvoller Hof nach dem anderen: viele mit Arkaden und weiten, stuckverzierten Wohnräumen.
Gekrönt wurde die emsige Bautätigkeit durch die Errichtung des Rathauses, der Stolz der Gumpoldskirchner.

Das architektonische Erbe aus der Zeit Mang Kharner lebt fast ungeschmälert und wird gerade in jüngster Zeit besonders sorgsam gehegt.
Um 1850 beginnt in Gumpoldskirchen die Gegenwart, und zwar mit dem Bau der Südbahn.
Er leitete einen Wachstumsprozess ein, der in manchen Bereichen bis zum heutigen Tag andauert.
Alles mögliche geriet damals in Bewegung. So dehnte sich der Ortsbereich allmählich immer mehr nach Osten aus, weil man an die Bahnstation herankommen wollte.
Darauf folgten verschiedene Fabrikgründungen, diese wiederum bewirkten eine schrittweise Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen.
Die einst lupenreine Hauergemeinde musste sich mit einer ständig steigenden Zahl von Arbeitern und Beamten abfinden.

Trotz dieser Verschiebungen hat Gumpoldskirchen den weltweiten Ruhm, einer der klassischen Weinorte Europas zu sein, bewahren können.



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